Wir öffnen uns für neue Herausforderungen

Die einst heruntergekommene Lagerhalle am Rande des Parkes Sanssouci möbelte Oswald mithilfe von Freunden nach der Wende auf. Mutig kündigte er seinen gut bezahlten Job als Programmierer und stürzte sich in die abenteuerliche Aufgabe des Ausstellungsmachers – den Begriff Galerist findet er auch nach 135 Ausstellungen zu vollmundig. „Mein Anliegen war es, Brandenburger Künstler auszustellen.“ So trat er damals hoffnungsfroh an den Verein Potsdamer Künstler heran – und erhielt von deren Mitgliedern Lothar Krone und Stephan Velten eine Abfuhr. „Die sagten nur: Hier stellen wir nicht aus. Das Umfeld war ihnen zu wüst und ungepflegt. Offensichtlich fehlten ihnen die Visionen.“ Als sie ein paar Jahre später dann doch bei ihm anklopften, um auszustellen, wollte Jürgen Oswald nicht mehr.

Starthilfe gab ihm indes der Galerist Rainer Sperl, in dessen Kurs für plastisches Gestalten Jürgen Oswald volkskünstlerisch aktiv war. Sperl brachte den Potsdamer Maler Alfred Schmidt mit und gemeinsam mit drei Westberliner Künstlerinnen startete am 30. Juni 1991 die Galerie am Neuen Palais ihre erste Ausstellung. „Das Schlimmste war, dass ich selbst die Rede halten musste. Ich war schweißgebadet. Wir wurden ja fast überrannt. An die 500 Leute kamen.

Die Westberliner waren nach der Wende einfach neugierig auf Kunst aus dem Osten und auf realistisch-figürliche Darstellungen. Endlich konnten sie Bilder sehen, auf denen etwas zu erkennen war. Im Westen dominierte ja die informelle abstrakte Kunst.“

Die 90er Jahre erwiesen sich für Oswalds Galerie durchaus erfolgreich. „Ich hatte nicht so den Zugang zur Szene, aber nach und nach liefen mir die Künstler die Bude ein.“ Er konnte gut verkaufen und hatte auch viele Besucher, vor allem aus Westberlin. Für die Potsdamer blieb er lange der Außenseiter. „Irgendwie haftete dem Realismus ja auch der Ruf des ostig Verstaubten an, selbst wenn die Künstler aus dem Westen kamen.“ Mit den Jahren wurde die Galerie immer internationaler. Jürgen Oswald holte Künstler aus Amerika, Südkorea oder Frankreich zu sich in die Baracke mit den hohen Wänden und den großen Fenstern. Es gab auch eine Ausstellung des „Künstlersonderbunds“ mit Realisten aus Ost und West. Das war 1999 mit namhaften Künstlern wie Heidrun Hegewald, Ulrich Hachulla und Sabine Grzimek.

Zu seinem Stamm gehörten um die 50 Künstler. „Die habe ich nie mit einem Vertrag geknebelt. Sie konnten also auch woanders ihre Arbeiten zeigen.“ Er blieb auch bis zur jetzt letzten Ausstellung bei einer Verkaufsspanne von 30 Prozent für den Galeristen, obwohl 50 Prozent längst normal sind. Mit der Einführung des Euros ging es dann bergab. Aus den anfangs elf Ausstellungen im Jahr mit Öffnungszeiten die ganze Woche wurden immer weniger. Zum Schluss gab es eine Winterpause bis Anfang April. Das Heizen war einfach zu kostspielig. „Eigentlich wollten wir schon nach zwanzig Jahren aufhören, aber ich war noch bei einigen Künstlern im Wort, dass ich sie ausstelle.“

Das angrenzende Atelierhaus, in dem sich fünf Künstler eingemietet haben, bleibt bestehen und Jürgen Oswald möchte wie seine Frau „hilfskünstlerisch weiterarbeiten“, wie der 68-Jährige sagt.

Auch die Zusammenarbeit mit den Mund- und Fußmalern, die sich in der Sommerzeit elfmal zu Workshops bei ihm trafen und zwei Ausstellungen zeigen konnten, wird es weiter geben. „Das machen wir, solange der Bedarf besteht. Diese Künstler sind begeistert von unseren barrierefreien Räumen und vom Garten ringsherum.“

Jürgen Oswald wollte seine Galerie so lange betreiben, wie er noch selber Bilder aufhängen kann. „Aber ohne Moos ist eben nix los.“ Da ist es nur ein kleiner Trost, dass die letzte Ausstellung durchaus noch erfolgreich etwas in die Weihnachtskasse einspielte.

Wenn sich am Samstag nun noch einmal die vielen Freunde der Galerie treffen, wird das keine Begegnung für ein gehobenes Klientel. „Nicht für das Glatte und Gesichtslose“, wie Oswald sagt. „Zu uns kommen vor allem ältere kunstsinnige Menschen. Sie sind mit uns gemeinsam alt geworden.“ Und vielleicht lassen sich die Oswalds ja noch einmal etwas ganz Neues im Alter einfallen.